In der KZ-Gedenkstätte Katzbach in Frankfurt am Main soll an ein Außenlager des KZ-Natzweiler/Struthof erinnert werden, das sich in der Spätphase der NS-Zeit in den heutigen Adlerwerken befunden hatte. In diesem Lager waren überwiegend polnische Männer und Frauen verschleppt worden, die im Verlauf des Warschauer Aufstandes von dort eingesetzten deutschen Besatzungstruppen aufgegriffen worden waren. Die Gefangenen wurden bei den Adlerwerken als Zwangsarbeiter eingesetzt. In der am Ort des Geschehens eingerichteten Gedenkstätte soll in den Vordergrund gestellt werden: Die Gedenkstätte zum KZ Katzbach und die Bildungseinrichtung zur Zwangsarbeit in Frankfurt am Main.

Es herrscht gesellschaftlicher Konsens darüber, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus gegen die Menschlichkeit nicht vergessen werden dürfen. Doch mit dem Sterben der Überlebenden droht Gefahr, dass die Erinnerungen verloren gehen und sich – wie starke neofaschistische Tendenzen in Teilen der Gesellschaft zeigen – wieder die Kräfte sich versuchen durchzusetzen, die unsere gesellschaftspolitischen Probleme auf ähnliche Weise lösen wollen wie die Nationalsozialisten.

Es gibt neben den aktuellen Gründen auch die Notwendigkeit, historisches Wissen und Grundlagen durch eine Bildungseinrichtung in den Adlerwerken für humane und demokratische Problemlösungen in Frankfurt am Main zu schaffen. Mehr als 50.000 ZwangsarbeiterInnen in mehr als 350 privaten, staatlichen, kirchlichen und städtischen Betrieben, auch privaten Haushalten in Frankfurt am Main wurden von 1939-1945 ausgebeutet. Die ZwangsarbeiterInnen wurden überwiegend aus osteuropäischen Ländern deportiert. In jedem einzelnen Fall waren dies Verstöße gegen das schon damals geltende Völker- und Menschenrecht.

Die Adlerwerke im Nationalsozialismus

Während des Nationalsozialismus produzierten die Adlerwerke fast ausschließlich für die Wehrmacht und stiegen zum größten Hersteller von Schützenpanzer-Fahrgestellen auf. Bereits im Juli 1941 entstanden Baracken für französische Zivilarbeiter auf dem Gelände zwischen Werk I und II, das bis 1938 den jüdischen Unternehmern der “Flesch-Werke AG für Gerbstoff-Fabrikation und chemische Produkte Frankfurt am Main”, der “OHG Erste Frankfurter Malzfabrik Matthias & Salomon” und des “Werkzeugmaschinen- Großhandel Schack & Co.” abgepresst worden war, also “arisiert” wurde. Ab 1942 wurden vor allem russische Kriegsgefangene nach Frankfurt verschleppt, weshalb ein neues Massenquartier in der Froschhäuser Straße in Griesheim entstand – auf städtischem Grund und Boden. Etwa 2000 Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen mussten dort unter unmenschlichen Bedingungen hausen. 1943 beschäftigten die Adlerwerke das drittgrößte Zwangsarbeiterheer Frankfurts, übertroffen nur von IG Farben und VDM Vereinigte Deutsche Metallwerke. Der Luftangriff vom 22.04.1944 führte zu schweren Zerstörungen bei den Adlerwerken. Wegen Auslagerung und Zeitverlusten fehlten Arbeitskräfte. Der Strom ziviler Zwangsarbeiter war inzwischen versiegt. Die Adlerwerke forderten KZ-Häftlinge an.

Am 22. August 1944 war das KZ Adlerwerke, ein Außenlager des KZ Natzweiler, fertiggestellt und erhielt den Decknamen „Katzbach“. Es befand sich direkt auf dem Werksgelände, mitten im Gallusviertel in Frankfurt am Main. Die insgesamt ca. 1600 Zwangsarbeiter im KZ Katzbach wurden von der Werksleitung vor allem in den KZs Buchenwald und Dachau ausgesucht. Viele waren nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstands im August 1944 verschleppt worden. Die Todesrate im KZ Adlerwerke übertraf die aller hessischen KZ-Außenlager. Die Häftlinge mussten 84 Stunden in der Woche in ungeheizten, teils zerstörten Hallen arbeiten. Sie besaßen in dem eisigen Winter 1944/45 nur ihre zerlumpten Sommermonturen. Hygiene und ärztliche Versorgung gab es praktisch nicht. Gewalt und Schikane waren alltäglich. Die Menschen verhungerten buchstäblich oder fielen, völlig geschwächt, Krankheiten zum Opfer. Fluchtversuche wurden mit öffentlicher Hinrichtung bestraft.

Der Förderverein setzt sich für eine dauerhafte und nachhaltige Erinnerung an die Zwangsarbeit in Frankfurt im Allgemeinen und an die Verbrechen im KZ Katzbach im Besonderen ein.


Gründungsmitglieder

Dr. Renate Wolter- Brandecker, stv. Stadtverordnetenvorsteherin, SPD

Herbert Bauch, Leben und Arbeiten in Gallus und Griesheim

Kai-Oliver Tiffany, Eisenbahn und Verkehrsgewerkschaft im DGB

Svenja Keim, DGB-Jugend Frankfurt

Ansgar Dittmar, Arbeiterwohlfahrt Frankfurt

Winfried Becker, Gallus-Theater Frankfurt

Sebastien Daudin, Frankfurter Jugendring

Joachim Brenner, Förderverein Roma Frankfurt

Peter Christian Walther, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Frankfurt

Andreas Dickerboom, Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie

Horst Koch-Panzner, DGB-Senioren Frankfurt

Stefanie Grohs, Künsterlerin „Mitten unter uns“ 2015

Vorstand

Horst Koch-Panzner, DGB-Senioren Frankfurt (Vorsitzender)

Ansgar Dittmar, Arbeiterwohlfahrt Frankfurt (Stv. Vorsitzender)

Herbert Bauch, Leben und Arbeiten in Gallus und Griesheim (Kommunikation)

Svenja Keim, DGB-Jugend Frankfurt (Schriftführerin)

Andreas Dickerboom, Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie (Kassierer und Mitgliederbetreuung)